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Journalismus auf der Bühne

2026 feiert der SZ Wirtschaftsgipfel sein 20-jähriges Jubiläum. Er ist der bekannteste, aber nicht der einzige wirkmächtige Kongress der Süddeutschen Zeitung.

Von Judith Wittwer

Manchmal kommt das Beste doch gleich am Anfang. Friedrich Merz hatte soeben die Bühne betreten und den Gastgebern für die Einladung zum 19. Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung in Berlin gedankt. Seine Stimme klang an diesem Montagmorgen nach dem großen Rentenkrach mit der Parteijugend belegt. Der Kanzler wirkte angeschlagen. Zum Publikum im Hotel Adlon meinte Merz zum Auftakt seiner Eröffnungsrede aber fast heiter: „Wer hätte ahnen können, dass ich bei der ‚Süddeutschen Zeitung‘ mal freundlicher begrüßt werden würde als bei der Jungen Union!“ Gelächter im Saal. 

Es sind solche Momente, die den SZ Wirtschaftsgipfel zu etwas Besonderem machen, einem einzigartigen Treffen, das für rund 700 Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft inzwischen einen festen Platz in der Agenda hat. Immer im November, wenn sich das Jahr dem Ende neigt und in den Unternehmen die Ziele für das nächste Jahr definiert werden, wird in Berlin bei der Süddeutschen Zeitung tagsüber die Welt vermessen. Am Abend kommen dann Schriftsteller wie Daniel Kehlmann oder TV-Größen wie Anne Will zum Talk.

Was war? Was wird? Auf dem dreitägigen Kongress diskutieren DAX-Konzernchefs wie Roland Busch, Unternehmerinnen wie Nicola Leibinger-Kammüller, Ministerinnen wie Bärbel Bas und Start-up-Gründer wie Gundbert Scherf über den Wirtschaftsstandort Deutschland und seine Innovationskraft. Managerinnen, Industriepräsidenten und Wirtschaftsforscher sprechen über globale Konflikte und innenpolitische Reformen. Immer geht es auch um Zukunftstechnologien, Trends und neue Ideen. In einem Gründerwettbewerb, dem SZ Gipfelstürmer Award, zeichnet die Süddeutsche Zeitung jedes Jahr die besten Geschäftsideen der Start-up-Szene aus. Eröffnet wird der SZ Wirtschaftsgipfel traditionellerweise vom Bundeskanzler oder der Bundeskanzlerin. 

Die SZ begrüßt ihre Gäste immer freundlich, da hat Friedrich Merz recht. Befragt werden die Redner und Panelistinnen auf der Bühne aber stets kritisch und natürlich gut informiert. Schließlich betreibt die SZ auf der Bühne das, wofür sie auch in ihren Texten, Podcasts, Videos bekannt ist: Journalismus auf höchstem Niveau. Oft sind es dann die spontanen Antworten, die nachwirken und in anderen Medien zitiert werden. Ob nun Merz über die Junge Union oder im Vorjahr über die Schuldenbremse, Roland Busch darüber, dass er in Deutschland aktuell kein Unternehmen gründen würde, oder Bärbel Bas zur (In-)Stabilität der Koalition. 

War der SZ Wirtschaftsgipfel in seinem ersten Jahr noch eine geschlossene Veranstaltung, berichten inzwischen Nachrichtenagenturen, Fernsehsender und andere Medien öffentlichkeitswirksam über die drei Tage. Die SZ selbst deckt die Panels im Liveticker ab. Ihre Journalisten führen Interviews, analysieren die wichtigen Themen und berichten über Highlights für Homepage und Zeitung, auf LinkedIn und TikTok. Die Teilnehmer vernetzen sich in Kaffeepausen, Lunch Breaks und Abendveranstaltungen sowie über die Gipfel-App.

Als die Süddeutsche Zeitung ihren jährlichen Wirtschaftskongress 2007 lancierte, fragte ein gewisser Josef Ackermann noch, was er denn da verloren habe. Die SZ sei doch kein Finanzblatt. Der damalige Konzernchef der Deutschen Bank stellte sich dennoch den Fragen der Journalisten und schüttelte bei der SZ Gipfelpremiere auch einem gewissen Friedrich Merz die Hand, der damals die Politik gerade verlassen hatte. Dass DAX-Chefs und Spitzenpolitiker zum jährlichen Get-Together ins Hotel Adlon kommen, wurde schon bald selbstverständlich: unter ihnen auch die Ministerpräsidenten Italiens, Frankreichs und Griechenlands sowie 2010 Russlands Machthaber Wladimir Putin. 

2026 feiert der SZ Wirtschaftsgipfel nun das 20-jährige Bestehen. Und ohne zu viel zu verraten: Es wird eine besonders abwechslungsreiche Jubiläumsausgabe werden. Auf einer neuen Berliner Bühne. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Den 9. bis 11. November 2026 darf man sich gerne schon einmal vormerken.

Vorher findet in München der sechste SZ Nachhaltigkeitsgipfel statt. Während CO2-Preis und Ende des Verbrennermotors politisch wieder infrage gestellt werden, geht die ökologische Transformation in den Unternehmen weiter. Auch die SZ bleibt dran und ruft am 23. und 24. Juni in München „Die Stunde der Pragmatiker“ aus. Erwartet werden rund 400 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, um in der besonders konstruktiven und debattenfördernden Atmosphäre des Munich Urban Colab zu diskutieren.

Das jüngste Kind der SZ Gipfelfamilie hat seinen Kongress gerade erst erfolgreich über die Bühne gebracht. Die Resonanz auf den ersten und zweiten SZ Digitalgipfel in Deutschlands Digitalstadt Nummer 1, München, war so groß, dass das Gipfelprogramm erstmals auf zwei Tage erweitert wurde. Wenn alle über künstliche Intelligenz und digitale Souveränität reden, diskutiert die SZ vorn mit. Und mit ihr die Vordenker und Prominenten der digitalen Welt und wie bei allen Gipfeln Hunderte von klugen Köpfen. Das wirkt – und hallt noch lange nach.

Seit Sommer 2020 führt sie die Redaktion der Süddeutschen Zeitung. Zuvor war die gebürtige Schweizerin Chefredakteurin des Tages-Anzeigers in Zürich.