Skip to main content

Ein einzigartiges Forum

Mit Breitenwirkung und hohen Ansprüchen.

Von Reinhard Müller

Die F.A.Z. ist seit ihrer Gründung nicht nur ein Ort der Nachrichten, der Analysen, der Reportagen aus der ganzen Welt. Die Zeitung stand immer auch für Meinungen, für eine Haltung. Jeden Tag aufs Neue. In der Politik, in der Wirtschaft, im Feuilleton, in Rhein-Main.

Zu einer Vielzahl von Themen. Der einzigartigen Struktur der F.A.Z. ist auch eine besondere Vielfalt zu verdanken. Sie ist nicht das Spielzeug eines Verlegers oder eines Chefredakteurs. Den Herausgebern ist es „anvertraut“, die Haltung der Zeitung zu bestimmen.

Der frühere Herausgeber Bruno Dechamps hat einmal geschrieben, dass die gesamte Konstruktion der Zeitung „wie eine gute Verfassung ein System von ,checks and balances', von Kontrollen und Gegenkontrollen ist und auf dem Willen zur Übereinstimmung, auf Kooperation und auf der Fähigkeit, sich zu einigen und Frieden zu halten, beruht. Auch einen Zwang, den zu Maß und Mitte, bringt es freilich mit sich, einen heilsamen Zwang also.“ Mit „liberal-konservativ“ ist die Haltung der Zeitung sicher nicht falsch beschrieben.

Des Weiteren ist die Zeitung, heute mehr denn je, ein Forum unterschiedlichster Beiträge von Lesern und Gastautoren. Allein im politischen Ressort gibt es seit jeher die „Briefe an  die Herausgeber“, die „fremden Federn“, ferner die „Gegenwart“, „Staat und Recht“, „Bildungswelten“ sowie F.A.Z. Einspruch, ferner in der Wirtschaft den „Standpunkt“ oder die „Ordnung der Wirtschaft“ sowie den sich durch das gesamte Feuilleton ziehenden Raum für Texte, die nicht von Redakteuren stammen. Nicht zu vergessen Podcasts und Social Media generell. Von TikTok über das F.A.Z. Magazin bis zu den Briefings von Digitalwirtschaft, Weltwirtschaft, Finanzen und Einspruch – wir geben Fachleuten eine Stimme.

Das alles sind Foren, auf denen nicht unbedingt die Kommentarlinie der F.A.Z. zum Ausdruck kommt. Aber natürlich muss ein Leserbrief oder Gastbeitrag einen möglichst aktuellen, originellen und niveauvollen Inhalt bieten. Nur dafür kann die Frankfurter Allgemeine Zeitung ein Forum sein.  

In der allerersten Ausgabe der F.A.Z. von 1949 hieß es gleichsam zeitlos aktuell: „Wir haben genaue Vorstellungen von einer neuen Art Zeitung, die wir schaffen möchten. Für sie müßte die Wahrheit der Tatsachen heilig sein; sie müßte sich der strengen Sachlichkeit in der Berichterstattung befleißigen; sie müßte auch den Andersmeinenden gegenüber immer Gerechtigkeit walten lassen; und sie müßte sich bemühen, nicht an der Oberfläche der Dinge stehen zu bleiben, sondern ihre geistigen Hintergründe aufzusuchen. Dies alles also wollen wir redlich; aber wir glauben, zu diesem neuen Typ von Zeitung müßte auch eine beträchtliche Volkstümlichkeit, ein Ansprechen breiter Schichten – ohne ihre Umschmeichlung – gehören. Natürlich denken wir nur an diejenigen, die sich mit uns bemühen wollen, über die Dinge nachzudenken, statt Schlagworten nachzulaufen. Für die Denkfaulen möchten wir nicht schreiben. Aber sonst meinen wir, daß die Vereinigung von breiter Wirkung und geistigen Ansprüchen sehr wohl möglich sei.“

Das ist in Zeiten der von der F.A.Z. erfolgreich angepackten digitalen Transformation bleibend aktuell.

Seit 2012 verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“. Seit November 2017 zudem verantwortlich für F.A.Z. Einspruch. 1998 nach dem zweiten juristischen Staatsexamen Eintritt in die politische Redaktion der F.A.Z. Seit 2008 zuständig für „Staat und Recht“.